Dachbegrünung in einem Fertighaus

Eine extensive Dachbegrünung war die direkte Folge strikter Bauvorschriften beim Neubau eines Einfamilienhauses in Knittlingen. Dort waren aufgrund des vorgeschriebenen Dachwinkels und zulässiger Höhe sonst nur Satteldächer mit niedrigem Kniestock erlaubt. Bei Pultdächern müssen diese extensiv begrünt werden.

Eine Dachbegrünung ist nicht einfach nur eine ökologische Alternative zu herkömmlichen Dachziegeln, sondern zieht aufgrund des Gewichts und den erforderlichen Maßnahmen zur Abdichtung, insbesondere bei modernen Fachwerkhäusern mit Holzständern auch erhebliche Mehrkosten nach sich.

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Was wiegt eine Dachbegrünung?

Das Substrat für eine extensive Begrünung wiegt, je nach ausgebrachtem Sedum und dessen Ansprüche an die Wurzeltiefe, zwischen 70 kg und 130 kg pro Quadratmeter. Bei unserer Dachfläche von ca. 80 m² waren das zusätzliche 8 Tonnen an Gewicht, die durch das Ständerwerk gehalten werden muss. Bei der statischen Planung eines begrünten Daches werden sicherlich auch noch zusätzliche Puffer für weiteres Gewicht bei starkem Schneefall oder einem Wasser-gesättigtem Zustand (bei verstopften Abflüssen) hinzugerechnet. Alles muss das Dach durch mehr und/oder dickere Sparren stabil konstruiert werden, was die Konstruktion gegenüber einer Eindeckung mit Dachziegeln deutlich verteuert. Noch deutlich schwerer, im Bereichen von 300 kg bis 1.000 kg können intensive Dachbegrünungen ausfallen, da diese unterschiedliche und tiefere Schichten erfordern.

Was kostet eine Dachbegrünung?

In unserem Fall verteuerte sich das Fertighaus von Hanse Haus durch die nötige Abdichtung und zusätzliche Dachsparren um etwa 25.000 € zuzüglich der Kosten für die Beschaffung und Einkippen des Substrats und Sedums in Höhe von 5.000 € für ca. 80 m². Zum Glück konnte bei unserem Hausbau das Gerüst zum Streichen der Fassade auch gleich für das Aufbringen des Substrats durch den Gala-Bauer mitverwendet werden. Wenn man im Internet in den einschlägigen Foren nach den Kosten recherchiert, bewegen sich die Kosten pro Quadratmeter Dachbegrünung zwischen 25 € und 100 €.

Was ist der Nutzen einer Dachbegrünung für die Natur?

Eine Dachbegrünung, ob nun intensiv oder extensiv, ist in erster Linie eine vermiedene Versiegelung von Flächen im städtischen Umfeld. Sie leisten einen spürbaren Beitrag zur Artenvielfalt, indem sie Lebensraum und Nahrungsquelle für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten bieten. Auch andere Lebewesen in der Nahrungskette wie Vögel und Fledermäuse profitieren von letzten Endes davon. Ein begrüntes Dach bindet Staub und sorgt dafür, dass sich Baugebiete nicht so stark erhitzen.

Was ist der Nutzen einer Dachbegrünung für die Kommunen?

Dachbegrünungen binden Regenwasser und sorgen insbesondere bei Starkregen für eine Entlastung der städtischen Kanalisation. Rückhaltebecken füllen sich nicht so schnell und es kommt in Folge zu weniger Überschwemmungen. Der ökologische Fußabdruck eines Neubaugebiets wird durch eine Pflicht zur Dachbegrünung auch abgemildert, eventuell müssen dann auch weniger Ausgleichsflächen bereitgestellt werden (eigene Vermutung, bitte korrigiert mich, falls das nicht der Fall sein sollte).

Was ist der Nutzen einer Dachbegrünung für den Bauherrn?

Die Vegetation und die dicke Schicht an Substrat auf dem eigenen Hausdach sorgt im Winter für eine bessere Isolierung gegenüber Wärmeverlusten. Man spart also Heizkosten ein. Im Sommer hingegen erhitzt sich das Haus im Umkehrschluss nicht ganz so schnell. Das Haus ist also besser gegen Extremtemperaturen und Witterungseinflüsse geschützt. Dadurch, dass die Biomasse auch Feinstaub aus der Luft filtern, sollte sich auch die Luftqualität lokal etwas verbessern. Manche Städte und Gemeinden erlassen den Besitzern eines Hauses mit Dachbegrünung auch einen Anteil bei den Kosten für das Abwasser.

Was ist der Unterschied zwischen einer intensiven und extensiven Dachbegrünung?

Eine Dachbegrünung mit einfachem Aufbau und pflegeleichtem Sedum wird als extensiv bezeichnet. Die extensiven Pflanzen sind meist niedrigwüchsige Moose, Sukkulenten, Kräuter und Gräser. Die Flächen werden in der Regel nicht begangen und es ist fast keine Pflege nötig. Bei einer intensiven Dachbegrünung kommen größtenteils unterschiedliche Kräuter, Stauden, Blumen und Größer zum Einsatz und haben höhere Anforderungen an den Gründachschichtaufbau. Intensive Grünflächen sind begehbar und deutlich pflegeintensiver.

Erfahrungen mit einer extensiven Dachbegrünung nach dem Hausbau

Wir persönlich mögen unsere Gründächer, neben dem Hausdach ließen wir auch unseren Carport begrünen. Man merkte jedoch in den ersten beiden Jahren kaum ein Wachstum. Insbesondere längere Trockenperioden hinderten das Sedum in seinem Wachstum. Danach fing das Sedum an zu wachsen und erstmalig zu blühen.

Wir schätzen den ökologischen Nutzen und eine (nicht-zulässige) Eindeckung mit Dachziegeln kam für uns nicht infrage.

Die Alternative: Eine Solarstromanlage

Dennoch hadere ich mit der Entscheidung, ob nicht anstelle einer Dachbegrünung eine vollflächige Photovoltaikanlage nicht die bessere Wahl gewesen wäre, zumal wir unser Haus mit einer Wärmepumpe betreiben und die Stromkosten in Zeiten von Home-Schooling und Homeoffice deutlich gestiegen sind. Unser Garten mit den vielen Stauden und Beeten bietet schließlich auch eine breite Artenvielfalt, die die einer extensiven Begrünung deutlich übersteigen dürfte.

Eine nachträgliche Änderung der Nutzung (nachträgliche Photovoltaikanlage auf einem Gründach) ist meines Wissens nach kaum möglich. Ein paar kontaktierte Solarinstallateure scheuten das Risiko einer Undichtigkeit oder den konstruktiven Aufwand einer Aufständerung und winkten ab. Falls irgendwann mal ein Elektroauto ins Haus kommen sollte, dürfte sich PV_Module einer Solarstromanlage erst recht bezahlt machen.

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