Lüftungsanlage im Fertighaus

Moderne Fertighäuser sind insbesondere durch die EnEV ab 2016 bestens gegen Wärmeverluste isoliert. Sie sind inzwischen eigentlich leider schon „zu dicht“, dass ein herkömmlicher Luftaustausch durch Wände, Fenster und Türen nicht mehr stattfindet und man daher auf eine Lüftungsanlage im Fertighaus angewiesen ist um Schimmel und Tauwasserschäden im Fertighaus zu vermeiden. Schimmel in einem Haus mit Holztafelbauweise wäre natürlich für viele der Super-Gau. Ist daher zwingend eine Lüftungsanlage im Fertighaus notwendig? Nein, aber es kommt natürlich immer darauf an:

Alternativen ohne Lüftung im Haus

  1. Eine echte Alternative wäre regelmäßiges Lüften in allen Räumen. Und das natürlich auch wenn man selbst im Urlaub oder verreist ist. Hat man eh jemanden, der sich z.B. um Pflanzen und Tiere in den nächsten Jahrzehnten kümmern kann wäre das eine denkbare Alternative. Allergiker müssten eventuell bei den Fenstern noch zusätzliche Pollenfilter anbringen.
  2. Vielleicht ist die Smarthome-Technik bald soweit, dass das Kippen und Stoßlüften bereits zu automatisieren, doch darauf wollten wir uns in unserem Fall nicht verlassen.
  3. Ebenso denkbar wäre mit einem Energiestandard und z.B. ökologischen Isolierung zu bauen, die so diffussionsoffen sind, dass ein gewisser Feuchtigkeitsaustausch gegeben ist. Das hätte dann aber Wärmeverluste und weniger Fördergelder der KfW zur Folge.

Vorteile einer Lüftungsanlage

  • Warme Abluft kann auch zur Wärmerückgewinnung und Warmwasser-Bereitung eingesetzt werden
  • Bietet für Allergiker spezielle Filter, z.B. gegen Pollen
  • Weniger Wärmeverluste als bei häufigerem Lüften oder gekippten Fenstern
  • Manuelles Lüften und das „Daran-denken-müssen“ entfällt durch zeitgesteuerte Programme und unterschiedliche Betriebsmodi (Urlaub, Party)
  • Mit kleineren Kindern und Haustieren kippt man Fenster eigentlich nur sehr ungern.

Nachteile einer Lüftungsanlage im Fertighaus

  • Die Anschaffungskosten sind nicht unerheblich (je nach Ausführung, ob dezentral / zentral mit / ohne Wärmerückgewinnung und Brandschutzklasse ca. 3.000 € bis 10.000 €)
  • Sie verursachen im laufenden Betrieb Kosten für Strom, Filter und Wartung
  • Wird gerne und intensiv gekocht? Dann verteilen sich die Gerüche auch im ganzen Haus. Wir merken das eigentlich nur an Silvester wenn das Raclette zum Einsatz kommt.
  • Türen werden unten meist nicht dicht gemacht sondern verfügen über einen Schlitz um für einen Druckausgleich zu sorgen (Optik)
  • Je nach Lüftungsstufe hört man die Lüftungsanlage deutlich im Betrieb und kann von einigen Menschen als störend empfunden werden.
  • Wenn unsere Nachbarn grillen oder ein Feuerchen im alten Kaminofen ohne Partikelfilter entfachen saugt unsere Lüftungsanlage alles an und verteilt es schön im ganzen Haus und in den Kinderzimmern. Man kann also immer nur hoffen, dass das in der Zeit passiert wenn man selbst noch wach ist und die Lüftung manuell deaktivieren kann.

Erfahrungen im Hochsommer

In den Sommermonaten möchte man die Hitze möglichst draußen lassen. Denn hat sich ein gut isoliertes Niedrigenergiehaus erst einmal im Inneren aufgeheizt, so bekommt man die Hitze nur sehr schwer wieder raus. Temperaturen von 26°C aufwärts stören dann beim Einschlafen und sorgen für unangenehmes Raumklima. Wir sind in unserem Fertighaus von Hanse Haus daher dazu übergegangen in unserer zentralen Lüftungsanlage (ist in die Wärmepumpenheizung integriert) tagsüber die Lüftung auf Stufe „0“ = aus zu betreiben. Nachts hingegen fahren wir die Anlage auf Stufe 2 von 3. Zusätzlich lüften wir in den Morgenstunden noch zusätzlich indem wir durch komplett geöffnete Fenster für einen ordentlichen Durchzug im Haus sorgen.

 

Aus dem Alltag mit der Wohnraumlüftung

Nächtliches Lüften durch geöffnete Fenster möchten wir besser nicht machen damit die Katzen im Haus bleiben. Geschlossene Rollläden zur Sonne hin gehören im Sommer leider auch zum nötigen Übel.

Abseits des Sommers läuft die Lüftung bei uns immer auf Stufe 1. Anscheinend sollte man sie hier gar nicht hören; wir nehmen sie tatsächlich gar nicht mehr wahr. Man sollte vor dem Kauf eines bestimmten Geräts sicherlich auch auf dessen Lärmklasse achten.

In den Frühlingsmonaten wenn die Pollen besonders stark fliegen setzen wir auf Filter F7, die zusätzlichen Schutz bieten, schließlich ist die Bauherrin insbesondere auf Haselnüsse allergisch. Das brachte schon eine deutliche Verbesserung. Der Filterwechsel ist selbst schnell gemacht und die Ersatzfilter kann man sich selbst online bestellen. Für den Wechsel benötigen wir bei unserer Anlage kein Werkzeug sondern nur einen Staubsauger und ggf. Ersatzfilter. Die einzelnen Filter habe ich am Gerät entsprechend beschriftet um sie immer korrekt neu-einzusetzen.

 

Video: Funktionsweise von Modellen mit Wärmerückgewinnung

 

Unser persönliches Fazit

Ja, vermutlich würde ich wieder so bauen und möchte die Anlage nicht mehr missen. Die genannten Alternativen zur Lüftungsanlage im Fertighaus sind in meinen Augen nur mit deutlich größerem (zeitlichen) Aufwand zu betreiben und man ist sich nie sicher ob man genug im ganzen Haus lüftet. Die Luftqualität und damit auch das Raumklima steigt in meinen Augen deutlich an, auch werden unangenehme Gerüche (wie beim Kochen) schneller abgesogen.

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