Welche Heizung für ein Fertighaus?

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Die meisten angehenden Bauherren werden relativ früh in der Planungsfrage mit der Frage welche Heizung für ein Fertighaus die beste ist konfrontiert. Schließlich hängt von der Wahl der Primärenergiequelle für Warmwasser und die Raumheizung vieles ab. Brauche ich einen Schornstein? Eine Lüftungsanlage? Einen separaten Lagerraum für Brennstoff / habe ich einen Keller? Oftmals meldet sich auch das eigne ökologische Gewissen sowie die Einschätzung der zukünftigen Brennstoff-Verfügbarkeit und Preise.

Kann man die eingehenden Fragen klären gilt es diese Überlegungen auch noch mit den örtlichen Bauvorschriften abzugleichen welche Vorgaben existieren. In vielen Neubaugebieten liegt inzwischen gar kein Gas mehr und man wäre auf einen externen, im Garten-versenkten Gastank angewiesen.

Vergleich der Alternativen: Vor- und Nachteile

 

HeizungsartAnschaffungs­kostenBauliche Zusatz­kostenHeiz­kostenKlima-BilanzKomfort
Ölheizung + Solarwärme 5 m²+
Schorn­stein, Öltank, Kompensation
+

Geruch, Anlieferung

Gasheizung + Solarwärme 5 m²+
Schorn­stein, Sparten­einführung, Kompensation
+++
Kaminofen + Solarwärme >15 m²++
Schornstein, Lagerraum für Holz / Pellets
++

Nachlegen, Entleerung Asche­kasten

Pellets­heizung + Solarwärme >10 m²
Schornstein, Lagerraum für Holz / Pellets
++++

Anlieferung,

Entleerung Asche­kasten

Wärmepumpe SoleTiefen-Bohrung, Erd­kollektor+++++
Wärmepumpe Luft/Wasser+++
Geräusch­entwicklung
Wärmepumpe und PhotovoltaikAkku, Wechselrichter+++
Geräusch­entwicklung

Zusätzliche Lüftungsanlagen

Die meisten Fertighäuser mit KfW-55 Standard und besser sind inzwischen so dicht, dass der Luftaustausch aufgrund der Schimmelproblematik mit einer Lüftungsanlage ausgestattet werden. Es sei denn man setzt auf häufiges manuelles Stoßlüften, was aber spätestens bei längeren Urlauben zu Problemen führen könnte. Eine Lüftungsanlage zusätzlich zur Heizung braucht selbstverständlich auch wieder teuren Strom, kann aber auch zur Wärmerückgewinnung eingesetzt werden.

Heizen mit Photovoltaik

Ganz klar, die Preise für Photovoltaik-Solaranlagen fallen kontinuierlich. Da die Entgelte für die Einspeisevergütung ebenfalls stark zurückgehen wird die Maximierung des Eigenanteils zunehmend attraktiv. Denn die Differenz zwischen dem „normalen Strompreis“ des Versorgers (z.B. 30 Cent / kWh) und des eigenen PV-Stroms ist zunehmend lukrativ. Daher wird der Einsatz einer strombasierten Wärmepumpe in Kombination mit einer Photovoltaik-Anlage zunehmend als das Optimum propagiert. Das Problem beim Heizen mit Photovoltaik und einer Wärmepumpe ist jedoch, dass im Winter, wenn die Außentemperaturen am niedrigsten sind und die Wärmepumpe am meisten Antriebsenergie in Form von Strom benötigt wenige Sonnenstunden zur Verfügung stehen. Ist der Himmel im Winter bedeckt oder die Sonne bereits untergegangen leistet die Photovoltaik-Anlage keinen Beitrag zur Wärmepumpe. Ein zusätzlicher PV-Akku kann ein paar Stunden kompensieren; nicht jedoch längere Perioden ohne Sonnenschein. Wer tiefer in die Materie einsteigen will, hier und vor allem auch hier https://blog.paradigma.de/heizen-mit-strom-lohnt-sich-das/#nur_nicht_zur_winterszeit wurde das Thema ausführlich und aus mehreren Blickwinkeln im Paradigma Blog betrachtet.

Solarheizung für ein Fertighaus

Fossile Heizungen mit den Brennstoffen Öl und Gas müssen inzwischen eine regenerative Zusatzquelle einsetzen. Oftmals sieht man in Neubaugebieten daher einfache und vergleichsweise ineffiziente Flachkollektoren auf den Dächern. Die thermischen Solaranlagen dienen dann in den Sommermonaten der solaren Brauchwasserbereitung zum Duschen, Waschen und Baden. Der Heizkessel bleibt dann aus und wird geschont. Das spart Heizkosten und CO2 ein. Möchte man hingegen auch in der Übergangszeit noch einen verwertbaren Solaranteil einfahren oder neben der Brauchwasser-Bereitung auch noch die Raumheizung mit Energie versorgen müssen in unseren Breitengraden effiziente Vakuum-Röhrenkollektoren eingesetzt werden. Üblicherweise beträgt die Kollektorfläche im Neubau dann auch 10 m² aufwärts. Solarheizungen benötigen dann nur noch eine zusätzliche Wärmequellen zur Abdeckung der Spitzenlast im kalten Winter. Üblicherweise übernimmt das dann ein Scheitholzkaminofen oder Pelletofen in Wasser-führender Ausführung. Wer mehr Komfort benötigt setzt auf einen automatisierten Holz- oder Pelletskessel mit automatischer Brennstoffzufuhr oder Vorratsbehälter. Hier lege ich allen Lesern die Rubrik „Solares Bauen“ im Paradigma Blog nahe.

 

Heizung für ein Fertighaus: Meine Voraussetzungen und Entscheidung

Kurzum, die beste Heizung für ein Fertighaus gibt es eigentlich nicht. Es kommt immer auf die Konstellation aus Grundstück, die Bauvorschriften und die persönliche Einstellung bezüglich Klimakrise, Komfort und Einschätzung der Energiepreisentwicklung ausfallen. Wären meine eigenen Voraussetzungen ideal, hätte ich mich gegen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Wärmerückgewinnung durch die Lüftungsanlage entschieden. Gut, sie läuft zuverlässig und die Kosten halten sich in Grenzen (ca. 60 € im Monat bei kuscheligen 23 °C im Winter. Leider zwangen uns die Bauvorschriften und Firsthöhen-Begrenzungen zu einem bestimmten Neigungswinkel des Daches (nicht ideal für Solar), die Hanglage mit verschattenden Bäumen im Süden taten ihren Rest. Ansonsten hätte ich mich für eine Solarheizung mit wasserführenden Pelletofen entschieden. Eine Pelletsheizung schied aufgrund des fehlenden Kellers aus; da wir keinen zusätzlichen Lagerraum erübrigen wollten. Gasleitungen gab es bei uns auch nicht und eine fossile Ölheizung mit Brennstoffen aus politisch-fragwürdigen Herkunftsländern sollte in keinem Neubau und Fertighaus zum Einsatz kommen. So unverantwortlich gegenüber der Umwelt sollte man eigentlich nicht sein.

 

erfahrungenmit meiner Heizung im Fertighaus

Unsere Heizung im Technikraum von Stiebel Eltron, keine Liebe aber rationale Entscheidung

Für die Fertighaushersteller wie Hanse Haus ist es u.A. wegen der Lüftungsproblematik natürlich am einfachsten eine Wärmepumpe mit Lüftungsanlage zu verbauen; hier hat die Strom-Lobby gut gearbeitet und dafür gesorgt, dass ein einfacher rechnerischer Nachweis für die Einhaltung der KfW-Kriterien sorgt.

 

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1 Gedanke zu „Welche Heizung für ein Fertighaus?

  1. Ich bin gerade am Planen eines neuen Hauses mit Keller, 180 m² groß und mit Satteldach, Mein Architekt riet mir zu einem Flachkollektor mit Gastheme und Brennwerttechnik. Werde ihn mit dieser Gegenüberstellung konfrontieren und auf eine nachhaltigere Lösung pochen. Eventuell mache ich eine doch einen Kaminofen, gepaart mit einer 15 m² großen VKR-Anlage (AquaSolar) und einem Ofen mit Wassertasche. Danke für die Denkanstöße und die ehrlichen Erfahrungen / Einschätzungen.

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